Veränderung

Warum echte Veränderung nicht entsteht, wenn wir etwas verbessern wollen,
sondern dann, wenn wir bereit sind, etwas loszulassen.

Wir glauben oft, Veränderung beginne dort, wo wir anfangen, Dinge besser zu machen.
Ein neues Buch. Ein weiterer Kurs. Eine optimierte Morgenroutine.
Wir holen uns Coaches, schreiben To-do-Listen, planen Ziele und nennen das dann Veränderung.

Doch tief in uns spüren wir die Dissonanz.
Wir verändern unser Verhalten, aber nicht uns selbst.
Wir überstreichen die Wand, ohne aufzuräumen. Frische Farbe über alte Muster. Mehr Schein als Entwicklung.

Denn so lange wir nur optimieren, bleiben wir in Kontrolle.
Wir verändern die Verpackung aber nicht den Inhalt.

Wahre Veränderung beginnt nicht dort, wo wir etwas hinzufügen.
Sie beginnt dort, wo wir etwas nicht mehr festhalten.

Dort, wo wir aufhören, uns über Rollen zu definieren, in die wir hineingerutscht sind, weil sie im Außen funktioniert haben aber innerlich kein Fundament besitzen.

Ich habe lange in solchen Rollen gelebt.

Ich wollte dazugehören.
Also war ich der, der mit allen feiern ging, der immer dabei war, der immer verfügbar war.
Doch sobald der Alkohol verflog, blieb nur Leere übrig.
Leere und diese unangenehme Frage: Was mache ich hier eigentlich?

Ich wollte belesen wirken.
Also habe ich Bücher gelesen, die mich nicht interessierten nur um Gespräche führen zu können, die sich nie nach mir anfühlten.
Ich habe Wissen gesammelt, aber nie Wahrheit.

Ich wollte Anerkennung, und suchte sie dort, wo sie nie echt war: im Außen.
Ich habe versucht, es allen recht zu machen, um gemocht zu werden, von Menschen, die mir nichts gaben und die ich selbst nie wirklich mochte. Ich habe mich verbogen, um Nähe zu bekommen, die mich gleichzeitig leer gemacht hat.

Und ich wollte stark wirken.
Unerschütterlich. Sicher. Stabil.
Doch innerlich war ich das Gegenteil. Unsicher, überfordert, zerbrochen in kleine, ungesagte Wahrheiten.

Ich war eine Sammlung von Rollen und keine einzige davon war ich.

Es hat lange gebraucht, bis ich verstanden habe:
Veränderung entsteht nicht, wenn wir versuchen, diese Rollen zu perfektionieren.
Veränderung entsteht, wenn wir sie ablegen.

Wenn wir den Mut haben, uns zu fragen:

  • Warum halte ich an diesem Verhalten fest?
  • Welche Rolle schützt mich eigentlich vor mir selbst?
  • Wer bin ich, wenn die Erwartungen anderer wegfallen?
  • Wer bin ich, wenn ich niemanden beeindrucken will?

Diese Fragen sind unbequem, denn sie nehmen uns die Ausreden, die Illusion, die Kontrolle.
Sie zwingen uns zurück zu unserem selbst.

Ich bin diesen Fragen immer wieder ausgewichen
Ich wollte Veränderung aber mir selber nicht zuhören

Ich wollte bessere Ergebnisse, ohne meine Identität zu hinterfragen.
Ich wollte Fortschritt, ohne Loslassen.

Doch wirklicher Wandel beginnt genau dann, wenn wir aufhören, gegen uns zu arbeiten,
und anfangen uns ehrlich zu begegnen.

Wir dürfen die Dinge, die gehen wollen, ziehen lassen.
Menschen, Muster, Ideale, Geschichten über uns selbst, die vielleicht einmal notwendig waren aber heute zu eng geworden sind.


Loslassen bedeutet nicht, dass etwas „schlecht“ war.
Es bedeutet nur, dass es nicht mehr wahr ist.

Vielleicht ist Veränderung nicht das, was wir tun.
Vielleicht ist Veränderung das, was wir lassen.

Und möglicherweise liegt genau dort, in diesem Loslassen, nicht der Verlust, sondern das wahre Wiederfinden. Die Wahrheit liegt nicht im Perfektionieren des falschen Selbst, sondern darin, den Mut zu finden, das echte freizulegen.