Wenn die Nacht dich auffrisst

Wenn die Nacht dich auffrisst

Wenn der Körper schlafen will aber der Kopf andere Pläne hat.

Kennst Du auch diese Nächte, in denen die Gedanken rasen und die Sorgen kreisen?
Je stiller es draußen wird, desto lauter wird es in einem selbst, im Kopf.

Am Tag wirkst du präsent, kontrolliert und vielleicht sogar souverän.
Du funktionierst. Du trägst Verantwortung. Du regelst Dinge.

Aber sobald dann das Licht ausgeht, beginnt das Karussell.

Du liegst da, mit offenen Augen. Situationen vom Tage oder etwas, was Dich schon lange beschäftigt, ploppen plötzlich auf. Wie ein Pop Up im Internet. Dir wird klar, dass Du müde und trotzdem unruhig und rastlos bist. Dein Körper liegt völlig ruhig und still im Bett aber innerlich ist alles wach und angespannt.

Gerade Menschen, die tagsüber stark wirken, die Verantwortung tragen, die Probleme lösen,
funktionieren müssen, kennen diese Nächte. Nicht, weil sie schwach sind, sondern weil sie sich selten erlauben loszulassen.

Sie haben gelernt die Kontrolle zu behalten.
Kontrolle über Gefühle, über Zweifel und auch über Angst. Und dann kommt die Nacht in der die Masken und die Rollen des Tages abfallen und alles, was tagsüber erfolgreich verdrängt wurde, kommt zum Vorschein. Das Grübeln über Vergangenes, dass du nicht mehr ändern kannst. Die Sorgen um Zukünftiges, dass du nicht kontrollieren kannst und zu guter Letzt kommen die Selbstvorwürfe, weil du schon wieder nicht schläfst. Das Perfide daran ist, dass Du dich für das Problem hältst.

Ich kenne diese Nächte mehr, als mir lieb ist. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich wachgelegen habe. Ich war völlig verzweifelt und leer und hatte keinen Plan, wie es weitergehen soll. Besonders in einer Zeit, in der ich eigentlich „stabil“ sein sollte. Ich war trocken, habe funktioniert und innerlich völlig allein. Nächte, in denen ich im Bett lag und keinen Ausweg mehr gesehen habe. Am nächsten Morgen bin ich mit Magenschmerzen, Angst und völliger Leere aufgestanden und zur Arbeit gegangen. Ich war im Funktionsmodus.

Das ist das, was kaum einer sieht. Viele Menschen brechen nicht zusammen.
Sie laufen weiter, nur innerlich immer leerer.

Dabei ist der größte Schlafkiller nicht der Gedanke. Es ist der Druck, schlafen zu müssen. Je mehr du willst, desto weniger gelingt es.

Irgendwann habe ich aufgehört, gegen die Nacht anzukämpfen.
Ich habe mir gesagt: Okay. Ich bin wach. Dann liege ich eben hier. Mein Körper ruht trotzdem.
Auch das zählt. Schlaf lässt sich nicht erzwingen.

Irgendwann wurde klar.

Ich habe kein Schlafproblem.

Ich habe ein Selbstführungsproblem.

Ein Ruf nach Klarheit.

Nach Ehrlichkeit.

Nach einem anderen Umgang mit dir selbst.

Wir brauchen keine weiteren Schlaftipps. Keine neuen Routinen. Keine Optimierung.

Wir dürfen anfangen, ehrlicher zu leben. Hinsehen, wo wir uns übergehen, zuhören, wo wir uns sonst überhören.

Wenn Du nachts wachliegst, will etwas gesehen werden. Nicht bekämpft und auch nicht betäubt. Es möchte ernst genommen werden. Dann wird die Nacht leiser.
Nicht sofort.
Aber ehrlich.

Und vielleicht ist genau das der Anfang von Ruhe.